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7 häufige Fehler beim Rückruf – und wie du sie vermeidest

Wenn du deinem Hund auch außerhalb deines eigenen Grundstücks Freilauf gewähren möchtest, ist es umso wichtiger, dass der Rückruf zuverlässig klappt. Was in der Theorie ganz einfach klingt, gestaltet sich in der Praxis umso schwieriger, denn beim Aufbau des Rückrufes steckt der Teufel im Detail. Es gibt dabei so viele Stolperfallen, die nur darauf warten, dass man hineintappt.

Rica lebt seit mehr als sieben Jahren bei uns. Doch erst in diesem Jahr haben wir, was den Rückruf betrifft, einen Durchbruch erzielt. Ich gebe ehrlich zu, dass ich schon kurz vorm Aufgeben und bereit war hinzunehmen, dass Rica eben manchmal ihre Ohren auf Durchzug hat.

Doch dann meldete sich der Teil in mir zurück, der gern mit dem dicken Kopf durch die Wand will: „Aufgeben ist nicht. Du übst weiter. Es wird irgendwann klappen.“

Im Sommer habe ich mich dem Thema Rückruf noch einmal intensiv gewidmet. – mit Erfolg. Im Nachhinein betrachtet, war es gar nicht so schwierig. In meinem heutigen Blogartikel zeige ich die häufigsten Fehler beim Rückruf auf. Alle Fehler habe ich selbst auch gemacht. Natürlich erfährst du ebenso, wie du es besser machen kannst. Außerdem bekommst du von mir eine Kurzanleitung zum Aufbau eines Rückrufsignals.

Rückruf1. Kein eindeutiges Signal

Mal rufst du „komm“, mal „hier“ und mal „zu mir“. Wie soll der Hund da wissen, was gemeint ist…?

Überlege dir ein eindeutiges Signal, das nur für den Rückruf gilt und das du sonst im Alltag nicht verwendet. Baue dieses Signal in kleinen Schritten auf.

2. Ständige Wiederholung

„Bello hier… hier…, hiiiieeeerher, hiiiiieeeer… “

Wenn ich jetzt Hund wäre, würde ich denken: „Och, ich brauch noch nicht zurückkommen. Herrchen / Frauchen ruft ja immer wieder. Ich weiß ja, wo er/sie ist.“

Wenn dein Hund zurückkommen soll, rufe nur einmal. Kommt von ihm Null Reaktion, dann entferne dich in die andere Richtung. Selbstverständlich sollst du deinen Hund nicht einfach zurücklassen. Nimm zum Üben eine Schleppleine mit.

3. Der Ruf ist gelangweilt oder genervt

Dieses Gedankenspiel finde ich jetzt mal gut: Ich bin ein Hund und habe soeben die genialste Schnüffelstelle aller Zeiten entdeckt. Mein Frauchen ruft mich, als Hund kann ich sehr wohl erkennen, dass ihre Stimme gelangweilt klingt. Was habe ich nun bei ihr zu erwarten? Wir müssen weitergehen, doch Schnüffeln ist viel spannender…

RückrufUnsere Hunde haben ein sehr feines Gespür für die Stimmung ihrer Menschen. Achte deshalb auf den Klang deiner Stimme. Rufe deinen Hund mit Freude, denn so denkt er, dass du wirklich etwas Tolles für ihn hast.

4. Dein Körper sagt „Geh weg“

Während du deinen Hund mit freudiger Stimme rufst, stehst du stocksteif wie ein Fels in der Brandung da. Dein Oberkörper ist nach vorn geneigt. Dein Hund möchte gern zurückkommen. Doch er ist irritiert. War da nicht das Rückrufwort? Doch dein Körper sagt das glatte Gegenteil.

Ein nach vorn gebeugter Oberkörper wirkt auf den Hund bedrohlich und signalisiert ihm, sich besser fernzuhalten. Achte daher auf deine Körpersprache, wenn du deinen Hund zu dir rufst. Gehe in die Hocke oder gehe ein paar Schritte rückwärts. Der Oberkörper bleibt dabei aufrecht oder leicht nach hinten geneigt.

5. Bestrafung beim Zurückkommen

Der Rückruf brauchte wieder einmal mehrere Anläufe, und du bist genervt. Endlich läuft dein Hund in deine Richtung und ist schließlich bei dir. Du lässt eine lautstarke Schimpftirade auf ihn niederprasseln, dass er doch gefälligst kommen solle, wenn du ihn rufst, warum er das einfach nicht kapieren kann, dass er der dümmste Hund auf der ganzen Welt ist usw. Kein Wunder also, dass dein Hund das Zurückkommen so lange wie möglich hinauszögert. Hier ist gut zu wissen: Der Hund verknüpft die Bestrafung (in diesem Fall das Schimpfen) mit dem Zurückkommen.

Deshalb ist oberstes Gebot: Bestrafe deinen Hund niemals, wenn er zu dir kommt! Auch wenn es eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis er endlich bei dir ist und du deinen Hund in diesem Moment am liebsten in der Luft zerreißen würdest. Zeige Freude, wenn er bei dir ist, lobe und belohne ihn, wenn er zurückkommt. Mit der Zeit wird er lernen, dass Zurückkommen sich lohnt und etwas gutes bedeutet. Er wird dieses Verhalten immer öfter und zuverlässiger zeigen.

6. Sofort die Leine dran

Du rufst deinen Hund zu dir, und im nächsten Moment ist Schluss mit lustig. Die Leine klickt sich ins Halsband. Für den Hund hat damit der Spaß ein Ende. Wiederhole das mehrfach und ein Rückschritt im Training ist vorprogrammiert.

Es handelt sich hier um das gleiche Phänomen wie unter Punkt 5 bereits beschrieben. Das Anleinen ist in diesem Fall eine Bestrafung für den Hund, denn wenn die Leine dran kommt ist Schluss mit Spielen, Schnüffeln und Buddeln.

Um das zu vermeiden kannst du folgendes tun: Rufe deinen Hund hin und wieder auch dann zurück, wenn ihr noch gar nicht weitergehen wollt. Wenn er bei dir ist, gibt es eine hochwertige Belohnung, danach gibst du ihn wieder frei und er kann tun und lassen, was ihm Spaß macht.

Wenn es nun Zeit zum Weitergehen ist, rufe deinen Hund. Lass ihn neben dir “Sitz” machen und gebe ihm eine hochwertige Belohnung. Bei Rica habe ich mich für ein Stück getrockneten Hühnerhals entschieden. Daran kaut sie etwa länger, und ich kann so mein Zeitfenster ausdehnen.

7. Die Belohnung passt nicht

Dein Hund ist gerade auf Entdeckungstour. Du rufst ihn. Erwartungsvoll kommt er angelaufen – und bekommt einen Keks, der schon seit zwei Wochen in der Jackentasche vor sich hin trocknet. Seine Begeisterung hält sich dementsprechend in Grenzen.

Mit dem Thema Belohnung habe ich mich bereits ausführlich beschäftigt. Sie ist für den Lernerfolg nicht unbedeutend. Doch oftmals ist das, was wir als Belohnung aussuchen für den Hund eher uninteressant.

Mein Tipp: Wähle insbesondere in der Anfangsphase eures Trainings eine sehr hochwertige Belohnung, die es nur – aber auch wirklich nur – beim Rückruf gibt, niemals sonst. Für viele Hunde besonders hochwertig sind z. B. Käsewürfel, Bockwürstchen oder Leberwurst.

Denke auch über Umweltbelohnungen nach.

Rückruftraining – 4 Schritte zum Erfolg

Egal welchen Bereich man sich im Hundetraining gerade vornimmt. Eine systematische Herangehensweise ist fast die halbe Miete. Nachfolgend erkläre ich dir in Kurzform, wie du beim Aufbau des Rückrufsignals vorgehen kannst.

  1. Denke dir ein Signal aus, das du ab jetzt nur für den Rückruf verwendest.
  2. Dein Hund ist bei dir. Du sagst das Rückrufwort. Sofort folgt ein Leckerchen. Wiederhole diese Übung mehrfach. Denke auch an Trainingspausen.
  3. Wahrscheinlich hat dein Hund schnell verstanden, dass das neue Wort etwas Gutes bedeutet. Gib nun deinen Hund frei, etwa mit dem Wort „Lauf“. Sage nun das Rückrufsignal. Kommt dein Hund zu dir, lobe und belohne ihn sehr hochwertig. Wiederhole auch diese Übung immer wieder.
  4. Klappt der vorherige Schritt schon sehr zuverlässig, kannst du den Schwierigkeitsgrad noch einmal steigern. Dein Hund ist bei dir. Wirf ein Leckerchen. Laufe danach sofort in die andere Richtung, jedoch anfangs noch nicht zu weit weg. Rufe nun deinen Hund. Kommt er jetzt freudig angelaufen, kriegt er die beste aller Belohnungen.

Beginne mit den Übungen zunächst im Haus oder auf dem Grundstück.Trainiere dann an verschiedenen Orten und steigere die Ablenkung langsam. Nimm fürs Training im Park, Wald und Feld eine Schleppleine mit.

Klappt ein Trainingsschritt nicht, sprich, der Hund kommt nicht zu dir, dann brich die Übung ab. Gehe noch einmal zum letzten Trainingsschritt zurück.

Es ist sehr wichtig, dass der Hund die Bedeutung des Rückrufsignals nachhaltig lernt und sich, nachdem er es vernommen hat, prompt auf den Weg zum Menschen macht. Es geht hier auch um die Vermeidung von Gefahren.

Wenn du beim Training allein nicht weiter kommst, lass sich von einer Trainerin oder einem Trainer vor Ort unterstützen.

Schlusswort

Zu Beginn dieses Artikels habe ich geschrieben, dass es bei Rica ewig gedauert hat und sie erst seit diesem Jahr zuverlässig zurückkommt. Ich habe, insbesondere in meiner Anfangszeit als Hundehalterin, alle Fehler beim Rückruf gemacht, die man machen kann. Doch auch als ich schon viel mehr wusste, habe ich das Rückruftraining nie konsequent genug durchgezogen und mich damit abgefunden, dass Rica eben manchmal keine lust hat, zurückzukommen.

Doch da war auch die andere Seite der Medaille. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich Rica immer seltener frei laufen ließ, obwohl sie das Rennen und Schnüffeln doch so sehr liebt. Ich beschloss schließlich, mich noch einmal intensiv diesem Thema zu widmen. Es hat sich gelohnt.

Wie klappt es deinen Hund mit dem Zurückkommen? Hattest du ähnliche Schwierigkeiten wie ich? Oder hat dein Hund ganz schnell gelernt, dass sich zurückkommen so richtig lohnt? Verrate es mir in einem Kommentar.

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