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Blutarmut beim Hund Teil 1: Entstehung und Ursachen

Seitdem ich mich mit dem  Internet beschäftige, war ich immer der Ansicht, dass es nichts gibt, zu dem man bei Google & Co keine Ergebnisse findet. Im Herbst 2014 wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Unsere Hündin Rica erkrankte sehr schwer. Diagnose: Blutarmut. Natürlich machte ich mich im Netz auf die Suche nach Informationen. Doch außer Forenbeiträge von Rat suchenden Hundehaltern, die schon älteren Datums waren, hatte ich nicht viel Brauchbares gefunden. Heute, gut zwei Jahre später, sind die Suchergebnisse immer noch eher dürftig.

Ich möchte dazu beitragen, dass sich dies ändert. Durch Ricas Erkrankung blieb mir keine andere Wahl, als mich mit diesem Thema sehr intensiv auseinanderzusetzen. Ich habe mir in dieser Zeit viel Wissen über die Blutarmut beim Hund angeeignet und mich nun entschlossen, einen zweiteiligen Blogartikel darüber zu schreiben. In diesem, ersten Teil geht es um die Entstehung, die Ursachen und die Symptome einer Blutarmut. Im zweite Teil werde ich mich mit der Schädigung des Immunsystems als Ursache beschäftigen.

Hier noch ein Hinweis, bevor ich in das Thema einsteige

Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um keinen medizinischen Fachartikel. Trotz sorgfältiger Recherche kann es vorkommen, dass bestimmte Abläufe oder Fachbegriffe aus medizinischer Sicht nicht ganz vollständig erscheinen. Zweck dieses Artikels ist es, für den betroffenen Hundehalter und medizinischen Laien eine erste Hilfestellung zu bieten und in verständlicher Sprache zu erklären, was bei einer Blutarmut geschieht. Wenn ein konkreter Verdacht einer Blutarmut besteht, muss das betroffene Tier schnellstmöglich einem Tierarzt vorgestellt werden. Nur dieser kann im Einzelfall notwendige Behandlungsmaßnahmen bestimmen und einleiten.

Was geschieht bei einer Blutarmut?

Das Blut setzt sich aus Zellen und anderen Bestandteilen zusammen. Vorkommende Zellen sind die weißen und roten Blutkörperchen sowie die Blutplättchen. Weiterhin befinden sich Wasser, Eiweißmoleküle, gelöste Salze, Zucker und proteingebundene Fette im Blut. Die Anämie ist eine Erkrankung der roten Blutkörperchen. Diese werden im Knochenmark gebildet und haben eine Lebensdauer von ca. 120 Tagen. So genannte Fresszellen, die vor allem in Milz und Leber sitzen, haben die Aufgabe, gealterte und geschädigte Blutkörperchen permanent zu entfernen.
Bei einer Blutarmut kommt es zu einem beschleunigten Abbau roter Blutkörperchen.
Der Anteil der roten Blutzellen wird Hämatokritwert genannt. Er liegt bei einem gesunden Hund zwischen 44 und 52 %. Sinkt der Hämatokritwert auf unter 15 % kann dies durch Sauerstoffmangel zu lebensbedrohlichen Organschädigungen kommen.1)

Ursachen einer Blutarmut

Die Blutarmut, die auch als Anämie bezeichnet wird, kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Wird diese diagnostiziert, sind weitere umfangreiche Untersuchungen nötig, um feststellen zu können, warum es bei dem betroffenen Tier zu einem beschleunigten Abbau roter Blutkörperchen gekommen ist. Folgende Ursachen sind möglich:

  • Innere Blutungen, etwa durch Verletzung oder nach einem Unfall
  • Eine Vergiftung. Beispielsweise führt die Aufnahme größerer Mengen Zwiebeln oder anderer Lauchgewächse zu einem Zerfall roter Blutkörperchen. Aber auch Rattengift kann dafür verantwortlich sein
  • Erkrankungen des Knochenmarks
  • Erkrankungen von Organen
  • Infektionskrankheiten, insbesondere aus dem südlichen Europa (Babesiose, Ehrlichiose, Leishmaniose)
  • Schädigung nach einer Impfung
  • Eine immunbedingte Erkrankung (Autoimmunhämolytische Anämie)1)2)

Symptome einer Blutarmut

Wie kannst du nun erkennen, dass dein Hund eventuell an einer Blutarmut erkrankt ist? Folgende Symptome können Aufschluss darüber geben:

  • Müdigkeit bis hin zur Apathie
  • Störungen der Bewegungsabläufe
  • Sichtbar blasse bis gelbliche Schleimhäute (an Lefzen, Zahnfleisch und Zunge gut erkennbar)
  • Deutlich erhöhte Herzfrequenz
  • Verweigerung der Futter- und Wasseraufnahme
  • Ggf. Erbrechen
  • Kein Absetzen von Kot und Urin mehr

Besteht der Verdacht einer Blutarmut, muss das betroffene Tier schnellstmöglich einem Tierarzt vorgestellt werden. Am besten ist es, gleich in die nächstgelegene Tierklinik zu fahren, denn eine Blutuntersuchung ist hier immer erforderlich. In einer Tierklinik liegt das Untersuchungsergebnis innerhalb weniger Minuten vor. In einer “normalen” Tierarztpraxis ist dies in der Regel nicht der Fall. An den Blutergebnissen kann der Tierarzt den Fortschritt des Abbaus roter Blutkörperchen ablesen. Liegt der Hämatokritwert unter 15 %, besteht Lebensgefahr. Die Erfordernis einer Bluttransfusion ist sehr wahrscheinlich.

Die Erkrankung meiner Hündin

Den 14. und 15. September 2014 werde ich nie in meinem Leben vergessen. Die ersten Symptome der schweren Erkrankung zeigten sich bei unserem Mittagsspaziergang. Ich hätte niemals eine Blutarmut vermutet, weil ich schlicht und einfach nichts darüber wusste. Rica zeigte kein Interesse an Aktivitäten, was für diesen Hund mehr als ungewöhnlich ist. Sie legte sich einfach auf die Wiese. Auf dem Weg nachhause humpelte sie. Wir dachten daher zunächst, dass sie sich am Bein verletzt oder einfach nur vertreten hatte. Wir untersuchten ihre Beine, konnten aber nichts feststellen. Am nächsten Tag wurde ihr Allgemeinbefinden immer schlechter. Wir brachten Rica zu unserer Haustierärztin. Diese nahm unserer Hündin Blut ab. An der Farbe des Blutes konnte man als Laie schon erkennen, dass Ricas Gesundheitszustand alles andere als gut war. Unsere Tierärztin vermutete zunächst eine Vergiftung durch Rattengift und spritzte Rica Vitamin K. 
Inzwischen war es Abend. Ricas Zustand hatte sich weiter verschlechtert. Als sie nicht einmal mehr in der Lage war, selbständig zu stehen, fuhren wir mit unserer Hündin auf schnellstem Weg in die Tierklinik. Dort wurde Rica an einen Tropf gehängt, nochmals Blut genommen und alle Maßnahmen zur Bluttransfusion eingeleitet. Das Blut eines fremden Hundes rettete Ricas Leben.

Schlusswort

Wie du aus den vorangegangenen Schilderungen gut erkennen kannst, ist eine Blutarmut sehr ernst zu nehmen. Schnelles Handeln kann hier lebensrettend sein. Im zweiten Teil erfährst du, was es mit der Autoimmunhämolytischen Anämie auf sich hat, wie diese behandelt wird und natürlich, wie es mit Rica weiter ging.


Quellen:
1)Artikel Immunbedingte Erkrankungen des Blutes
2)Gespräche mit Tierärzten im Zusammenhang mit der Erkrankung meiner Hündin
 

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