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Der 7-Punkte-Plan für ein erfolgreiches Maulkorbtraining

Als ich beschloss, den Maulkorb auf meinem Blog zu thematisieren, ahnte ich nicht im entferntesten, was das auslösen würde. Mein Artikel von letzter Woche bekam eine starke Resonanz. Dies macht deutlich, dass der Maulkorb die Gemüter der Hundehalter sehr beschäftigt.

Wie versprochen gibt es heute den zweiten Teil zum Thema Maulkorb. Im ersten Teil habe ich einige gute Gründe genannt, weshalb der Hund aus meiner Sicht an einen Maulkorb gewöhnt werden sollte. Heute erfährst du, wie du ein positiv gestaltetes Maulkorbtraining mit deinem Hund durchführen kannst.

Maulkorbtraining

7 Schritte, damit dein Hund den Maulkorb gern trägt

Im letzten Jahr habe ich mit Bobby ein Maulkorbtraining durchgeführt. Zum besseren Verständnis habe ich meine Vorgehensweise in sieben Abschnitte unterteilt. Abhängig davon, wie dein Hund sich verhält und wie konsequent du selbst beim Training bist, kannst du einzelne Schritte auch überspringen. Wenn der Anblick des Maulkorbs deinem Hund z. B. keine Angst bereitet, kannst du die Schritte 1 und 2 auch weglassen und mit dem dritten Abschnitt beginnen.

Trainiert wird über positive Verstärkung, das heißt, der Hund bekommt für jede richtige Aktion eine Belohnung. Zudem ist es sehr hilfreich, mit einem Markerwort oder mit dem Clicker zu arbeiten. Es ist aber kein Muss.

Du benötigst für das Training einen Maulkorb, der gut passt, einen Futterbeutel mit reichlich hochwertigen Leckerlis sowie für den ersten Trainingsabschnitt einen leeren Joghurtbecher.

Für das Maulkorbtraining solltest du Minimum zwei Monate einplanen. Wenn ihr schneller vorankommt, ist das natürlich erfreulich. Ruhe und Geduld im Training sind oberstes Gebot.

1. Nase in den Becher

Ja, du hast richtig gelesen. Für die erste Phase des Maulkorbtrainings benötigst du nicht einmal einen Maulkorb. Besorge dir einen Joghurtbecher, und dann kann das Training auch schon losgehen. Ziel dieser Übung ist, dass es für den Hund selbstverständlich wird, seine Nase in einen Gegenstand zu stecken.

Dein Hund ist bei dir. Lege ein Futterstück in den Becher und halte den Becher dem Hund hin. Vermutlich wird der Hund jetzt verschiedene Dinge ausprobieren, um an das Futter zu kommen. Das ist auch völlig in Ordnung, denn irgendwann wird er verstehen, dass er den Kopf in den Becher stecken muss um das Futter zu bekommen.

Wenn der Hund schon zügig die Nase in den Becher mit dem Futter steckt, halte ihm einfach mal den leeren Becher hin. Geht er mit seiner Nase freiwillig hinein, kannst du zum nächsten Schritt übergehen.

2. Der Maulkorb kommt ins Spiel

Der Maulkorb ist jetzt bei sämtlichen Aktionen, die du mit deinem Hund durchführst, mit dabei. Wenn ihr z.B. einen Trick einübt oder miteinander spielt, liegt der Maulkorb einfach daneben. So lernt der Hund ihn als etwas Normales und unbedenkliches kennen.

Zeige deinem Hund nun den Maulkorb und belohne jede Aktion die in Richtung Maulkorb geht:

  • Der Hund sieht den Maulkorb an.
  • Der Hund schnüffelt am Maulkorb.
  • Der Hund leckt am Maulkorb.
  • Der Hund steckt die Nase halb in den Maulkorb usw.

Wenn der Hund keine Angst vor dem Maulkorb hat, ihn sogar als angenehm empfindet, kannst du zum nächsten Schritt übergehen.

3. Der Maulkorb wird schmackhaft

Führe nun die Übung wie in Schritt 1 durch. Stecke ein Leckerli in den Maulkorb und halte ihn dem Hund hin. Der Hund kennt die Übung ja schon von dem Joghurtbecher und wird wahrscheinlich schnell begreifen, worum es geht, auch wenn sein „Becher“ nun etwas löchriger ist.

Verändere die Situation, wenn der Hund gern aus dem Maulkorb frisst. Halte ihm nun den leeren Maulkorb hin. Vermutlich wird er nun in Erwartung auf sein Futter die Nase in den leeren Maulkorb stecken. Wenn er das tut, bekommt er sofort seine Belohnung und zwar von vorn durch die Öffnung des Maulkorbs hindurch.

4. Zeitfenster ausdehnen

Nun sind wir schon bei der Übung, die für Bobby am schwierigsten war und für die wir sehr lange gebraucht haben. Es ist zwar schon ein großer Erfolg, wenn der Hund seine Schnauze freiwillig in den Maulkorb steckt. Doch es bringt nicht wirklich viel, wenn er sie sofort wieder herauszieht. Deine Aufgabe ist es nun, deinem Hund zu vermitteln, dass er die Schnauze im Maulkorb lassen soll.

Ich habe an dieser Stelle, wie auch in allen anderen Übungsabschnitten, mit einem Markerwort gearbeitet. In Schritt 3 kam der Marker immer in dem Moment, wo die Nase im Maulkorb war. Jetzt habe ich das Markerwort in kleinen Schritten immer etwas zeitverzögert gegeben. Um das noch einmal zu verdeutlichen: Zunächst habe ich mit dem Markerwort eine Sekunde gewartet, dann zwei, dann drei usw. Irgendwann hat Bobby dann verstanden, dass es den Marker (und natürlich seine Belohnung) nur gibt, wenn er im Maulkorb bleibt.

Wenn du nicht mit Marker arbeitest, besteht auch die Möglichkeit, sofort mehrere Futterstücke hintereinander oder z. B. Leberwurst, Hüttenkäse oder ähnliches von vorne durch den Maulkorb zu geben. So lernt der Hund: „Ah, es lohnt sich, dass ich meine Schnauze da drinnen behalte.“

5. Bewegung muss ein

Ziel des Maulkorbtrainings ist ja, dass der Hund den Maulkorb in den verschiedenen Lebenslagen ohne Probleme tragen kann. Er muss dazu lernen, dass der Maulkorb auch dran bleibt, während er sich bewegt.

Der Hund steckt seine Nase in den Maulkorb. Du hältst den Maulkorb fest und bewegst dich einen Schritt rückwärts. Kann dir der Hund folgen, ohne die Nase aus dem Maulkorb zu ziehen, geht ihr zwei Schritte. Macht der Hund das gut mit, kannst du variieren: Vorwärts, rückwärts, Drehungen usw.

6. Jetzt wird’s eng

Nun ist es langsam an der Zeit, den Maulkorb zu schließen. Auch dieser Schritt kann etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wenn du einen ängstlichen Hund hast, solltest du hier besonders behutsam vorgehen, denn allein das Gefühl des Riemens um seinem Kopf, ist eine völlig neue Situation für ihn.

Mache die Übung aus Schritt 4. Lege dabei immer mal zwischendurch die Schnallen, mal an der rechten, mal an der linken Seite leicht an den Kopf des Hundes an. Wichtig ist auch immer die Belohnung, wenn er das akzeptiert. Der Hund lernt, dass nun auch an seinem Kopf etwas passiert und dass dies nicht schlimm ist.

Bei Bobby habe ich zwischendurch auch den Maulkorb locker verschlossen und ihm den geschlossenen Riemen vorsichtig über die Ohren gelegt. Für uns war das ein wichtiger Schritt hin zum fest verschlossenen Maulkorb.

Irgendwann kommt der Tag, an dem du den Maulkorb ganz verschließen kannst. Beobachte deinen Hund, wie er sich dabei fühlt. Nimm zunächst den Maulkorb nach wenigen Augenblicken wieder ab und dehne auch hier das Zeitfenster in kleinen Schritten aus.

7. Verschiedene Übungen mit Maulkorb

Dein Hund kann inzwischen den Maulkorb auch über mehrere Minuten lang tragen? Perfekt! Jetzt ist es sinnvoll, verschiedene Übungen mit Maulkorb  auszuführen und ihn in deinen Alltag zu integrieren. Lass deinen Hund zum Beispiel Sitz, Platz, Bleib, Herankommen usw. mit Maulkorb machen. Gehe mit ihm auch mal an der Leine mit Maulkorb spazieren. Wichtig ist, dass der lernt, den Maulkorb als normal zu akzeptieren und du den Maulkorb im Ernstfall einsetzen kannst.

Was du noch wissen solltest

Führe alle beschriebenen Schritte auch an verschiedenen Orten durch. Es könnte sonst passieren, dass der Hund den Maulkorb nur mit deinem Wohnzimmer verknüpft und er ihn draußen nicht tragen mag.

Zeigt der Hund bei einer der Übungen Stressanzeichen oder meidet er den Maulkorb, bist du vielleicht zu schnell vorgegangen und dein Hund ist überfordert. Gehe am besten im Training wieder einen Schritt zurück.

Es bedarf einiger Wiederholungen, bis eine Übung gelernt ist. Sollte der Hund eine Trainingseinheit einmal nicht verstehen, gibt nicht gleich auf, sondern versuche es von Neuem.

Hinsichtlich Aufbau von Übungen, Dauer einer Trainingseinheit, Pausen im Training usw. empfehle ich dir meinen Artikel Hundetraining: 7 Tipps für mehr Spaß und Erfolg beim Lernen.

Schlusswort

Wie oben bereits erwähnt, habe ich genau dieses Training mit Bobby durchgeführt und ihn erfolgreich an das Tragen seines Maulkorbs gewöhnt. Mehr noch: Ich habe es geschafft, dass er den einst so bösen Maulkorb (Bobby hatte wirklich große Angst davor) nicht nur akzeptiert, sondern richtig gern hat. So etwas ist möglich mit positiver Verstärkung und Vorgehen in kleinen Schritten mit vielen Erfolgserlebnissen für den Hund.

Hast du schon einmal ein Maulkorbtraining mit deinem Hund gemacht? Wie lange habt ihr gebraucht? Wie seid ihr vorgegangen? Hast du Fragen zu den von mir beschriebenen Trainingsschritten? Hinterlasse mir gern einen Kommentar.

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