2

Eine Welt voller Düfte – olfaktorische Kommunikation

Im März dieses Jahres habe ich meine Ausbildung zur Hundepsychologin begonnen. Vor einiger Zeit hatte ich bereits erwähnt, dass es durchaus mal den einen oder anderen Blogartikel geben wird, der im Zusammenhang mit meiner Ausbildung steht.

In den letzten Wochen habe ich mich sehr intensiv mit dem Ausdrucksverhalten von Hunden beschäftigt. Dabei haben mich die Lektionen über das Riechvermögen und die Verständigung über Geruchsbotschaften besonders fasziniert. Lass uns deshalb heute einfach mal in die Geruchswelt unserer Vierbeiner hineinschnuppern.

olfaktorische KommunikationOlfaktorische Kommunikation

Unsere Hunde sind mit hervorragenden Sinnen ausgestattet. Insbesondere beim Hören und Riechen haben sie im Vergleich zum Menschen im wahrsten Sinne des Wortes die Nase vorn. Da ist es nicht verwunderlich, dass unter Hunden die Verständigung über Gerüche eine bedeutende Rolle spielt. Der Austausch von Informationen auf diese Weise nennt man olfaktorische Kommunikation.

Der Geruchssinn des Hundes

Der Geruchssinn bei Hunden ist bereits ab dem 4. Lebensmonat voll ausgebildet. Die Nase ist mit einer dicken Riechschleimhaut bedeckt.
Die Anzahl der Riechzellen ist mehr als 20 mal höher als beim Menschen und variiert bei den verschiedenen Hunderassen.
Hunde besitzen dadurch die Fähigkeit, feinste Teilgerüche aus Duftgemischen wahrzunehmen und zu unterscheiden. Sie können außerdem durch jedes einzelne Nasenloch verschiedene Gerüche gleichzeitig erschnuppern und differenzieren.
Eine weitere Besonderheit ist das Jacobsonsche Organ. Es befindet sich am Gaumen und ist mit der Riechschleimhaut verbunden. Dadurch wird die Aufnahme von Duftstoffen (etwa aus der Nahrung) über die Zunge ermöglicht.

Längst hat der Mensch den phantastischen Geruchssinn und die daraus resultierenden Fähigkeiten unserer Hunde erkannt und sich zunutze gemacht. Die Vierbeiner werden als Spürhunde, etwa bei der Suche nach vermissten Personen oder als Drogenspürhunde, aber auch als Anzeigehunde bei bestimmten Erkrankungen wie Diabetes und Epilepsie erfolgreich eingesetzt.

„Sehen“ mit der Nase

Wenn Hunde Kontakt zueinander aufnehmen, beriechen sie sich zunächst. Die Schnüffelkontrolle beginnt im Gesicht, erstreckt sich über den Kopf, den gesamten Körper entlang bis hin zum Anal- und Genitalbereich.
Hunde erhalten bei dieser Prozedur wichtige Informationen. Das Alter, das Geschlecht, der Gemütszustand, der Gesundheitszustand und der hormonelle Status lassen sich am individuellen Geruch des anderen erkennen. Verantwortlich dafür sind chemische Botenstoffe, die Pheromone genannt werden und die jedes Individuum über seine Duftdrüsen absondert.

Wir alle kennen das: Während wir mit unseren Vierbeinern Gassigehen, schnüffeln diese und setzen selbst Duftmarken über ihren Kot und ihren Urin. Dieser „Pheromon-Cocktail“ ist für Artgenossen, die später dort vorbeikommen eine wahre Fundgrube an Informationen. Wenn wir also zu unserem morgendlichen Spaziergang aufbrechen, weiß unser Hund genau, wann sein Lieblingskumpel zuletzt hier war ober ob der Erzfeind auch schon wach ist. 
Viele Hundehalter sagen, dass ihre Vierbeiner „Zeitung lesen“, wenn sie schnüffeln. Ich denke, dass dieser Vergleich durchaus sehr treffend ist.

Doch Gerüche dienen nicht nur der Kommunikation, sondern sind auch für die Orientierung wichtig. Nehmen wir als Beispiel eine Landschaft, die wir besucht haben und die wir jemandem beschreiben wollen, der noch nie an diesem Ort war. Was fällt uns ein? Bäume, Sträucher, Felder, Berge, ein Fluss usw. Alles Dinge, die wir sehen und somit über das Auge wahrnehmen. Wenn überhaupt erwähnen wir höchstens in einem Nebensatz, ob wir Geräusche oder Gerüche bemerkt haben.

Bei unseren Hunden ist das anders. Sie speichern die verschiedenen Gerüche, verknüpfen diese mit dem jeweiligen Ort und wissen somit, ob sie dort schon einmal gewesen sind oder nicht. Während wir ein Bild im Kopf haben, das wir vor unserem geistigen Auge sehen, hat der Hund ein Geruchsbild, das er aus seinem Kopf abrufen kann.

Hunde müssen schnüffeln dürfen

Im Lauf meiner „Hundehalterkarriere“ habe ich unzählige Bücher und Artikel gelesen. Teilweise waren auch solche mit haarsträubenden Empfehlungen dabei. Eine, die ich schon fast verdrängt hatte, fiel mir (leider) wieder ein, als ich mich mit dem Thema olfaktorische Kommunikation beschäftigt habe.

Die Aussage war sinngemäß folgende: Hunde sollten auf Spaziergängen nicht schnüffeln dürfen. Das Prüfen des Reviers und der Markierungen obläge ausschließlich dem Rufelführer.

Was für ein Blödsinn! Was soll damit erreicht werden? Wie wir ja nun wissen, dienen Gerüche der Kommunikation, und schnüffeln ist natürliches Hundeverhalten. Unser Vierbeiner erhält am Boden wichtige Informationen. Das Schnüffeln fördert das Wohlbefinden und hält den Geist fit. Es generell zu verbieten fällt für mein Empfinden unter psychische Gewalt.

Oftmals werden Gassigänge aus Zeitgründen nur auf das Nötigste beschränkt. Ich bin jedoch der Meinung, dass zumindest einmal am Tag ausgiebige Scnnüffelzeiten in den Spaziergang mit eingeplant werden sollten. Das Ergebnis ist ein zufriedener Hund, glaub es mir…

Schlusswort

Ich hoffe, dir hat dieser kleine Ausflug in die Geruchswelt unserer Hunde gefallen. Bitte gib mir gern Feedback darüber, ob ich künftig mehr über Ausdrucksverhalten, über die Sinne des Hundes oder ähnliches schreiben soll oder ob das eher weniger interessant für dich ist. Das Kommentarfeld möchte befüllt werden.

Nachfolgend kannst du einen Kommentar hinterlassen 2 Kommentare