Buchrezension: Hab keine Angst mein Hund von R.C. Franck/M.Grauss

Seit mehr als sechs Jahren bin ich dabei, mein Wissen über Hunde durch das Lesen von Fachliteratur ständig zu erweitern. Mein Interessenschwerpunkt liegt dabei auf der Arbeit an Verhaltensproblemen, wozu auch Angst und Unsicherheit gehören. Auf der Suche nach Informationen zu diesem Thema stieß ich bereits vor längerer Zeit auf das Buch Hab keine Angst mein Hund. Mich sprach der Buchtitel sehr an, denn ich verbinde damit einen fairen, geduldigen und verständnisvollen Umgang mit dem ängstlichen Hund. Ob das Buch meinen Erwartungen entsprochen hat, erfährst du in der nachfolgenden Rezension.

Hab keine Angst mein HundAus dem Inhalt

Angst oder ängstliches Verhalten sind ein Problem vieler Hunde und deren Halter, die dem oft hilflos gegenüber stehen. Die Autoren ziehen zunächst Parallelen zwischen der Angst beim Wolf und beim Hund, erklären, wozu Angst dient und beschreiben die Verhaltensweisen zur Angstbewältigung. Danach geht es an Möglichkeiten, um den Hund beim Überwinden von Angst zu helfen. Im letzten Abschnitt liefern die Autoren konkrete Beispiele aus dem Alltag und wie man aus ihrer Sicht im Training an diese herangeht.
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Meine Bewertung

Das Buch ist klar gegliedert und in leicht verständlicher Sprache geschrieben. Zu Beginn wird Angst beim Wolf und beim Hund beschrieben. Die Autoren erklären, dass Angst dazu dient, sich auf (potentielle) Gefahren vorzubereiten, dass der Hund die beiden Strategien Flucht oder Angriff zur Angstbewältigung wählt und dass diese sich auf den Vierbeiner selbstbelohnend auswirken. Sehr gut gelungen finde ich die Aufteilung in verschiedene Angststufen am Beispiel einer orangenen, gelben und roten Ampel. Diese verdeutlicht die Materie insbesondere für den Einsteiger sehr anschaulich.

Im Abschnitt Ängste bewältigen geht es dann an konkrete Maßnahmen. Die Autoren empfehlen, mit dem Clicker zu arbeiten und die Click-für-Blick-Methode einzusetzen. Sie beschreiben den Einstieg in das Clickertraining sehr ausführlich. Als weitere Trainingshilfe haben die Autoren noch den Kong im Angebot. Diesen soll man, mit Futter gefüllt, den Hund in Angstsituationen anbieten, nachdem man ihn darauf konditioniert hat.

Im weiteren Verlauf des Kapitels geht es dann noch um Entspannung und Wohlbefinden. Zu guter Letzt wird noch die Gabe von Medikamenten bei „besonders schweren Fällen“ in Betracht gezogen.

Ausgesprochen lobenswert finde ich, dass in diesem Buch neben den Trainingsmöglichkeiten auch dem Thema Wohlbefinden des Hundes einige Seiten gewidmet sind. Ich bin der Meinung, dass das allgemeine Lebensgefühl sich nicht unerheblich auf das Verhalten auswirkt. Ein deutliches Beispiel dafür ist mein Hund Bobby. Er fühlt sich bei uns wohl. Er hat inzwischen gelernt, dass er hier nicht in Gefahr ist und dass hier für ihn gesorgt wird. Auch das trägt dazu bei, dass er seine Ängste Schritt für Schritt überwindet.

Die Autoren sprechen auch die Rolle des Besitzers an. Vielfach herrscht unter Hundehaltern und -trainern immer noch die Meinung, man solle den Hund ignorieren, wenn er Angst hat. Hier machen Franck und Grauss deutlich, dass dieses Vorgehen alles andere als sinnvoll ist und dadurch der Hund nur lernt, dass von seinem Menschen keine Hilfe zu erwarten ist. Vielmehr sei es die Aufgabe des Hundehalters, zu führen und dem Hund Sicherheit zu geben. Dem kann ich mich voll und ganz anschließen.

Im nächsten und letzten Kapitel geht es um Typische Ängste bei Hunden und wie man damit umgeht. Dazu gehören Angst vor Menschen, vor Hunden, vor Gegenständen, vor Situationen sowie Trennungsangst.

Die einzelnen Themen sind immer nach dem gleichen Schema aufgebaut. Als Einleitung gibt es eine Fallbeschreibung. Danach erläutern die Autoren, was aus ihrer Sicht „nicht so gut funktioniert“, und schließlich werden Trainingsvorschläge gemacht. Hiervon bin ich etwas enttäuscht, denn aufgrund der sehr guten vorangegangenen Kapitel hätte ich hier mehr erwartet. Befindet sich der Hund beispielsweise mit seiner Angst im roten Bereich, d. h. hier, er handelt nur noch unbewusst, wird fast immer geraten, sich die Hilfe eines fachkundigen Trainers zu suchen. Dem stimme ich durchaus zu, aber um diese Aussage zu bekommen, brauche ich kein Buch zu lesen.

Bei der Angst vor Artgenossen empfehlen die Autoren, zum Training der Begegnung mit anderen Hunden, ein „Gentle Leader“ einzusetzen. Ein „Gentle Leader“ ist nichts anderes als ein Halti, dem der Hersteller lediglich einen gut klingenden Namen verpasst hat. Ich persönlich halte generell nichts von derartigen Hilfsmitteln, schon gar nicht im Training von ängstlichen Hunden!

Bauchschmeezen bereitet mir auch der Trainingsansatz bei der Angst vor dem Alleinbleiben. Hier wird vorgeschlagen, dem Hund einen gefüllten Kong zu geben und dann sofort den Raum zu verlassen. Nach kurzer Zeit soll man zurückkommen und dem Hund den Kong wegnehmen. Hierdurch soll er lernen, dass die Abwesenheit des Menschen angenehm für ihn ist. Für mich kommt das einem „Mit-der-Tür-ins-Haus-fallen“ gleich und ich bezweifle, dass diese Methode zum Erfolg führt. Meiner Ansicht nach muss das Alleinbleiben in kleinen Schritten erlernt werden.

Fazit

Die ersten beiden Kapitel des Buches sind wirklich sehr gut gelungen. Um so enttäuschter bin ich vom dritten Abschnitt. Er ist für meinen Geschmack zu oberflächlich und mit einigen Trainingsvorschlägen kann ich mich absolut nicht anfreunden. Ich muss diese allerdings auch nicht anwenden.

Ich spreche trotz der Kritikpunkte eine Empfehlung für das Buch aus, weil es sehr gut und anschaulich geschrieben ist und weil mir viele Ansichten der Autoren zum Umgang mit Hunden (z. B. Hundehalter vergleichbar mit der Elternrolle) sehr gut gefallen.

Hast du dieses Buch auch gelesen? Wie ist deine Meinung dazu? Hinterlasse mir gern einen Kommentar.

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