9

Wenn der beste Freund für immer geht

Der April ist der Monat, in dem Rica Geburtstag hat. Sieben Jahre wird unsere Hundedame am 20. April alt. Bis auf das erste halbe Jahr verbrachte Rica ihr gesamtes Leben bei uns.

Ich freue mich darüber, dass Rica schon so lange an unserer Seite ist und tagtäglich unser Leben bereichert. Ich denke immer wieder gern an die vielen tollen Erlebnisse, die wir mit ihr hatten und freue mich auf die Zeit, die wir noch gemeinsam verbringen werden.
Doch manchmal ist da auch ein leises ungutes Gefühl. Schon sieben Jahre? Wie lange dauert ein Hundeleben? Werden es noch weitere sieben Jahre sein? Oder etwa – weniger..?

Claudia von Team Hundeseele hat zur Blogparade aufgerufen. Was wäre, wenn der Seelenhund stirbt? Mit dieser Frage gilt es sich auseinanderzusetzen. Ich finde es sehr wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, denn eines Tages wird es soweit sein, ob wir wollen oder nicht. Wir können es nicht ändern. Daher beteilige ich mich gern an der Blogparade und steuere diesen Artikel dazu bei.Hund stirbt

Das Leben und der Tod

Ich bin jetzt 45. Das ist ein Alter, in dem man schon auf einiges zurückblicken kann. So kam ich im Lauf der Zeit nicht nur einmal mit dem Tod in Berührung. Ich habe bereits nahe Angehörige und gute Freunde verloren. Ich kenne das Gefühl von Trauer, Verzweiflung, Wut und Ohnmacht. Doch auch, wenn man es schon mehrmals durchlebt hat, daran gewöhnt man sich nie.
Weiterhin habe ich drei meiner Katzen bis zu ihrem letzten Atemzug begleitet, habe ihnen in den letzten Minuten ihres Lebens beigestanden, bis sie friedlich eingeschlafen sind.
Es war jedes Mal die Hölle. Da soll jemand sagen: „Es ist doch nur ein Tier“. Das Gefühl der Trauer ist nicht weniger schlimm als beim Verlust eines Menschen.

Je älter meine Hunde werden, desto häufiger denke ich daran, dass auch sie eines Tages nicht mehr da sein werden. Ich habe um meine Katzen getrauert, doch wenn es einen meiner Hunde trifft, wird es wahrscheinlich nochmal um einiges schlimmer werden. Warum? Ich habe all meine Katzen geliebt, doch die Beziehung zu meinen Hunden ist anders, sie ist noch viel intensiver. Die Hunde sind immer dort, wo wir sind, vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen. Unser Kater dagegen ist oft stundenlang nicht zu sehen, weil er sich in die obere Etage unseres Hauses zurückzieht und genüsslich schläft.

Rica in höchster Lebensgefahr

Wie es sich anfühlt, wenn der eigene Hund dem Tod ins Auge sieht, mussten wir 2014 erleben. Rica brauch von einem Tag auf den anderen zusammen. Ihr Zustand verschlechterte sich so rapide, dass wir sie in die Tierklinik brachten. Hätten wir das nicht getan, würde unsere Hündin heute nicht mehr leben.

In dieser Zeit setzte ich mich bereits innerlich mit ihrem Tod auseinander. Aufgrund der Diagnose und ihres dramatischen Gesundheitszustandes mussten wir mit dem Schlimmsten rechnen.

Es waren zwei Tage ohne Rica. Zwei Tage hoffen und bangen, zwei Tage, die mir vorkamen, wie eine Ewigkeit.

Am Tag nach Ricas Zusammenbruch meldete ich mich bei meinem Arbeitgeber krank. Es ging mir schlecht. Ich konnte mich auf nichts konzentrieren und hätte für die Anliegen meiner Besucher und Anrufer keinen Kopf gehabt. Meine Gedanken kreisten nur um Rica. Als ich es im Haus nicht mehr aushielt, brach ich zu einem Spaziergang auf. Doch auch das war ein komisches Gefühl, ein Spaziergang ohne meine geliebte Rica. Natürlich traf ich andere Leute, die mit ihrem Hund Gassi gingen. Jeder Hund, den ich sah, versetzte mir einen Stich ins Herz…

Ich weiß nicht mehr, wie ich den Rest des Tages verbrachte. Alles schien so sinnlos. Du kennst sicher den Spruch „Ohne Hund ist alles doof…“ Ja, das ist es in der Tat.

Am nächsten Tag kam der erlösende Anruf: Rica hatte das Schlimmste überstanden und wir konnten sie nachhause holen. Unsere Hundedame ist dem Sensenmann noch einmal von der Schippe gesprungen. Heute ist ihr aus dieser Zeit nichts mehr anzumerken.

Lestetipp:

Einmal Hundehimmel und zurück

Doch der Tag wird kommen, an dem Rica und auch Bobby uns für immer verlässt, weil Hunde nicht so alt werden wie wir Menschen und weil der Tod zum Leben dazu gehört. Eines ist sicher: Ich werde jeden Hund auf seinem letzten Weg beistehen. Ich werde trauern und mir die Zeit dafür nehmen, die ich brauche. Jeden Hund werde ich in liebevoller Erinnerung behalten. Diese Phase zu durchleben ist wichtig für einen Neubeginn.

The Show Must Go On

Freddie Mercury, Sänger der Rockband Queen, verstarb 1991 an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS. Wenige Monate vor seinem Tod erschien der Song The Show must go on. Da ich ohnehin großer Queen-Fan bin und grundsätzlich eine positive Lebenseinstellung habe, ist die Titelzeile dieses Songs zu meinem Motto geworden. Es muss weiter gehen… und irgendwie geht es immer weiter.

Für mich steht jetzt schon fest: Wenn einer meiner Hunde stirbt, wird nach einer gewissen Zeit wieder ein Hund bei uns ein Zuhause finden. Das heißt nicht, dass ein neuer Hund Rica oder Bobby ersetzen soll. Aber ein neuer Hund wird uns auch wieder Kraft geben, weil wir dann wieder eine neue Aufgabe haben. Diese Erfahrungen haben wir bereits bei unseren Katzen gemacht. Das Leben geht weiter, the show must go on.

Ricas Dogblog

Ich habe diesen Blog nach meiner ersten eigenen Hündin benannt. Rica wird irgendwann nicht mehr da sein. Doch was ist mit dem Blognamen?
Selbst darüber habe ich mir schon zum Zeitpunkt der Namensfindung Gedanken gemacht und einen Entschluss gefasst: Ricas Dogblog wird immer Ricas Dogblog bleiben, auch wenn Rica eines Tages im Hundehimmel ist. Dann gilt der Name ihr zu Ehren. Rica, ein ganz besonderer Hund, durch den sich einiges änderte und ohne den mein Leben wohl ein wenig anders verlaufen wäre.

Doch noch ist es nicht soweit. Meinen beiden Hunden geht es prima. Den ersten Entwurf dieses Textes habe ich auf der Terrasse geschrieben,  während Rica und Bobby im Garten auf Entdeckungstour waren und sich über das tolle Wetter freuten.

Schlusswort

Ich wünsche mir, dass meine beiden Hunde noch lange gesund bleiben und wir noch viel Zeit miteinander verbringen dürfen. Das gleiche wünsche ich dir und deinem Hund natürlich auch.

Hast du schon einmal einen Hund auf seiner letzten Reise begleiten müssen? Wenn du magst, dann schreibe mir doch einen Kommentar.

Nachfolgend kannst du einen Kommentar hinterlassen 9 Kommentare