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Quick-Tipps für den Hundealltag: Lernen im täglichen Leben

Ein neuer Tag hat begonnen; es ist Zeit zum Aufstehen. Kaum bist du angezogen und trittst in den Flur, sitzt dein Hund auch schon erwartungsvoll an der Wohnungstür. Er weiß genau, dass es jetzt Zeit ist zum Gassi gehen.
Hast du dieses Verhalten gezielt mit deinem Hund geübt? Ich vermute mal, nein. Aber zugegeben, es ist doch äußerst praktisch. Jetzt musst du nur noch die Leine nehmen, Jacke und Schuhe anziehen, dann kann es auch schon losgehen. Um das Ganze zu vervollständigen, kannst du jetzt noch ein Signal einführen, wie etwa Gassi oder ausgehen.

In meinem heutigen Beitrag geht es um Dinge, die wir unseren Hunden beibringen, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind oder ohne es uns gezielt vorzunehmen. Der Artikel ist Teil meiner Serie Quick-Tipps für den Hundealltag. Hier berichte ich von meinen Erfahrungen und gebe dir Tipps, die du schnell und ohne viel Aufwand im Alltag mit deinem Vierbeiner umsetzen kannst.

Lernen im täglichen LebenLernen im täglichen Leben

Jeden Tag beschäftigen wir uns mit unseren Hunden: Wir füttern Sie, streicheln sie, spielen mit ihnen, gehen mit ihnen Gassi, führen Körperpflege durch usw. All diese Aktionen haben eins gemeinsam: Abläufe wiederholen sich. Durch diese Wiederholung lernen Hunde sehr schnell und bieten bald von sich aus bestimmte Verhaltensweisen an.

Ich empfehle hierzu auch meinen Artikel über die klassische Konditionierung.

Unsere Spaziergänge

Bobby ist ein Hund, den man guten Gewissens in die Kategorie bequem und gefräßig einordnen kann. Obendrein ist er auch noch sehr schlau. Egal wo wir uns während einer Gassi-Runde befinden, Bobby weiß immer, welcher der kürzeste Weg nach Hause ist. Diesen möchte er häufig nehmen. Bobbys Wünsche stimmen aber nicht immer mit denen der Zweibeiner überein.

Bobby bestimmt gern, wo’s langgeht

Links, rechts, geradeaus

Irgendwann habe ich ganz unbewusst damit begonnen, Bobby die Richtung anzusagen, in die ich gehen wollte. Dies habe ich zusätzlich mit meiner Körpersprache unterstrichen.

Eines Tages probierte ich dann folgendes: Wir kamen an eine Stelle, von der ich genau wusste, welche Abzweigung mein Hund am liebsten nehmen wollte. Noch bevor Bobby sich dafür entscheiden konnte, geradeaus weiter zu gehen, gab ich ihm das Signal rechts. Und siehe da: Bobby machte keine Anstalten mehr, in eine andere Richtung zu wollen als ich. Das Gleiche funktioniert bei uns auch mit links und geradeaus.

Ich habe sehr viel Spaß am Hundetraining und nehme mir immer viele Dinge vor, die ich trainieren möchte. Das Benennen der Laufrichtung gehörte allerdings nicht dazu. Es hat sich einfach so in unserem Alltag ergeben, ging fast automatisch und hat sich für mich als sehr praktisch erwiesen.

Praktisch im Alltag, wenig Aufwand

Nachfolgend beschreibe ich dir drei Beispiele, wie du dir den Alltag mit deinen Hunden erleichtern kannst. Du brauchst dazu weder eine Trainingsstrategie noch irgendwelche Hilfsmittel. Du brauchst nur deinen Hund, deine Stimme und natürlich gute Laune.

Das Führen zweier Hunde muss sich im Alltag erst einspielen

Warten am Straßenrand

Ich finde es wichtig, dass der Hund lernt, vor dem Überqueren einer Straße zu warten. Egal ob gerade ein Auto kommt oder nicht. Um mit meinen Hunden das zu üben, habe ich nicht großartig überlegt, bin einfach abrupt am Straßenrand stehen geblieben. Sofort waren meine Hunde aufmerksam und sahen mich an. Ich gab das Wort Warte. Als ich mich wieder in Bewegung setzte, sagte ich deutlich Weiter. Dieses Spielchen machen wir immer, wenn wir eine Straße überqueren müssen, auch wenn die Straße gerade frei ist.

Rica und Bobby kennen das inzwischen und bleiben stehen, wenn sie das Wort warte von mir hören.

Rufen zweier Hunde

Du hast zwei oder mehr Hunde. Es gibt Situationen, in denen du nur einmal rufen möchtest, und alle Hunde kommen gleichzeitig angelaufen. Ja, das geht. Wenn ich das Wort Hunde rufe, kommen beide ganz schnell angeflitzt. Wie genau ich das hinbekommen habe, kann ich leider nicht mehr sagen. Ich muss es im Alltag oder beim Spielen unbewusst „eingebaut“ haben. Jetzt nutze ich es jedoch bewusst immer wieder gern.

Umweltbelohnungen

Hartnäckig hält sich der Irrglaube, positive Verstärkung sei nur Leckerchen werfen. Aber das ist schlichtweg falsch! Bei der positiven Verstärkung wird gewünschtes Verhalten belohnt (verstärkt). Doch Belohnung ist nicht immer gleich Futter. Belohnung ist immer das, was ein Hund in einer bestimmten Situation am liebsten möchte. Das kann variieren. So kann auch das Schnüffeln oder Buddeln für den Hund sehr belohnend sein.

Rica bei ihrer Lieblingsbeschäftigung

Rica ist ein Hund, bei dem Schnüffeln an erster Stelle steht. Sie zieht im Zweifelsfall das „Zeitungslesen“ einem Leckerli vor. Warum also nicht ein Signal dafür einführen, damit ich Rica mit Schnüffeln belohnen kann. Dazu warte ich einfach ab, bis Rica mal wieder mit ihrer Nase den Boden abscannt. Ich sage dann das Wort schnüffeln. Mehrfache Wiederholungen, und bald ist meine neue Belohnung einsatzbereit.

Schlusswort

Nicht für alles, was wir unseren Hunden beibringen, brauchen wir eine ausgefeilte Trainingsstrategie oder eine besondere Übungssituation. Hunde lernen auch durch unser Verhalten, durch unsere Körpersprache, durch bestimmte, sich wiederholende Abläufe im Alltag und – bei Mehrhundehaltung – auch voneinander. Machen wir uns diese Tatsache immer wieder bewusst und auch zunutze.

Was hast du deinem Hund im Alltag beigebracht, ohne dass du es bewusst trainieren wolltest? Was hat dein Hund nahezu „automatisch“ gelernt? Verrate es mir gern in einem Kommentar.

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