1

Me and Bobby – Unsere Geschichte Teil 3

Im Herbst 2017 habe ich beschlossen, die Geschichte von mir und meinem Hund Bobby aufzuschreiben und eine mehrteilige Blogartikelreihe daraus zu machen. Der Letzte Artikel dazu liegt leider schon etwas länger zurück. Das liegt zum einen daran, dass ich wegen meiner Ausbildung weniger Zeit zum Bloggen habe, zum anderen hat auch mich die DSGVO extrem gefordert.

Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, was bisher geschehen ist oder du etwas verpasst hast, findest du hier eine Übersicht über alle Texte dazu.

EingewöhnungEin Hund mit Vergangenheit

Nun war er endlich zuhause, unser Zweithund. Die Freude war groß und alles drehte sich um unsere Vierbeiner. Es war alles so aufregend: Die Ankunft, die erste Entdeckungsreise im Haus, der erste gemeinsame Spaziergang. Noch an diesem Tag startete ich bei Bobby mit leichtem Training. Das Kennenlernen seines Hundebettes war mir wichtig. Dennoch zog Bobby es vor, nach seinen Erkundungen erst mal auf dem Sofa Platz zu nehmen. Da die Hunde ohnehin bei uns aufs Sofa dürfen, ließ ich es damit auch zunächst einmal gut sein.

Vom Tierheim bekamen wir einen großen Berg an Unterlagen an die Hand, die gesichtet werden wollten. Darauf hatte ich an diesem ersten Tag so gar keine Lust. Ich wollte meine gesamte Aufmerksamkeit den Hunden widmen. Dennoch fand ich am späten Abend des 09.02.2015 einige Minuten Zeit, um alles zumindest einmal grob in Augenschein zu nehmen. Da war der Schutzvertrag, der Impfpass, Berichte über Bobbys Gesundheitszustand samt durchgeführte Untersuchungen und Behandlungen. Einem Schriftstück schenkte ich dann doch etwas mehr Aufmerksamkeit. Hinweise zum richtigen Umgang mit einem Hund aus Rumänien, stand darauf. Weiter war zu lesen, dass bis zur vollständigen Eingewöhnung des Hundes Monate bis Jahre vergehen können und dass es im neuen Umfeld zu Verhaltensweisen kommen kann, die sich im Tierheim nicht gezeigt haben.
Soweit so gut. Wir standen ganz am Anfang. Wir mussten jetzt einfach abwarten, was auf uns zukommt.

Hund Eingewöhnung

Die erste Nacht verlief ein wenig unruhig. Am Abend des Einzugstags fing Bobby immer wieder an zu husten. Doch das konnte stressbedingt sein. Dennoch sprach ich gleich am nächsten Tag mit unserer Tierärztin. Einen Besuch in der Praxis wollte ich dem Hund nach Möglichkeit ersparen. Die Bindung zu uns war noch nicht aufgebaut. Außerdem ließ er sich nicht gern anfassen.

Der Alltag begann

Der Alltag mit zwei Hunden gestaltete sich zunächst leichter, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich gewöhnte mich schnell daran, beim Gassigehen zwei Hunde zu führen. Es gab keinen Streit um Futter oder Liegeplätze. Allerdings achteten wir auch von Anfang an darauf, dass jeder aus seinem Napf fraß und dass keiner die Gelegenheit bekam, dem anderen das Futter zu klauen. Kein Hund sollte bevorzugt oder benachteiligt werden.

Bobby begann sich rasch in unser Leben einzufinden. Er war neugierig und wuselte immer um uns herum.
Unser neuer Mitbewohner war ein ehemaliger Straßenhund. Es zeigte sich sehr deutlich, dass er das Leben in einem Haus erst kennenlernen musste. Haushaltstypische Geräusche wie Geschirrklappern, Staubsauger oder andere Elektrogeräte ließen ihn jedes Mal zusammenzucken. Manchmal hatte er sogar Angst vor dem Fernseher. Wechselnde Bodenbeläge bereiteten ihm Schwierigkeiten. Türdurchgänge waren ihm anfangs nicht geheuer. Manchmal mussten wir ihn auch im Haus an die Leine nehmen und führen. An der Leine fühlte er sich dann ein wenig sicherer.

Dafür, dass er nichts von dem kannte, was wir hierzulande Hunden beibringen, lief er erstaunlich gut an der Leine. Zu mir fasste Bobby sehr schnell Vertrauen, was sich bei unseren Besuchen im Tierheim ja schon andeutete.

Anders war es jedoch bei meinem Mann, und das brachte besonders ihn manchmal zur Verzweiflung.
Solange ich anwesend war, war alles in Ordnung. Doch in unserem Alltag gibt es Zeiten, in denen jeder von uns mit den Hunden auch mal allein ist. Wie es bei Hunden aus dem Tierschutz leider häufig vorkommt, zeichnete sich bei Bobby ein Problem mit Männern ab. Er ließ sich von meinem Mann nur widerwillig anleinen. Zeitweise schnappte er sogar nach ihm. Wollte mein Mann ihn streicheln, fing Bobby oft an zu winseln, manchmal schrie er sogar auf.

In den ersten Wochen schlief Bobby vermehrt unruhig und hatte immer wieder Alpträume. Nicht nur einmal schrie er im Schlaf, sprang plötzlich auf und machte unter sich.

Im Lauf der Zeit machte sich obendrauf noch eine Leinenaggression bemerkbar. Besonders bei der Begegnung mit großen schwarzen Hunden rastete Bobby aus.

Es gab viel zu tun.

Ich fasse zusammen, was wir bisher hatten:

  • Die Basics mussten gelernt werden. Lediglich das Laufen an der Leine funktionierte. Natürlich war der Hund trotz seines fortgeschrittenen Alters nicht stubenrein.
  • Bobby Ließ sich nicht gern anfassen. Vor allem Männer durften ihm nicht zu nahe kommen.
  • Er war allgemein sehr schreckhaft
  • Wechselnde Untergründe bereiteten ihm Schwierigkeiten
  • Leinenaggression
  • Angst in vielen Situationen, sowohl drinnen als auch draußen

Doch da war auch ein Hund, der neugierig aufs Leben war, der gern in unserer Nähe war und der Spaß am Training hatte. Genau hier setzte ich bei der Arbeit mit Bobby an. Doch dazu gehe ich ausführlich im nächsten Teil unserer Geschichte ein.

Reaktionen aus dem Umfeld

Viele freuten sich mit uns, dass wir einen zweiten Hund hatten und machten uns Mut, dass wir die Schwierigkeiten mit der Zeit gemeinsam überwinden würden. Doch es gab leider auch einige negative Reaktionen, und es enttäuschte mich sehr, wie oberflächlich Menschen sein können. „Warum habt ihr euch denn so einen Hund geholt?“ „Mit dem habt ihr aber Pech gehabt.“ „Den hätte ich aber schon längst wieder zurückgegeben.“ Um nur einige der Aussagen zu nennen. Solche Sprüche ärgerten mich maßlos. Ein Hund ist ein Lebewesen, das man nicht einfach umtauscht wie eine Hose, die nicht passt. Wir hatten uns für Bobby entschieden und wussten, dass Arbeit auf uns zukommen würde.

Wie ging es weiter?

Wir ließen uns von den Zweifeln anderer nicht entmutigen. Im Gegenteil: Mich stachelte das sogar noch an: „Jetzt erst recht“, lautete meine Devise. Unseren Hund in unser Leben zu integrieren und ihm noch einige unbeschwerte Jahre zu ermöglichen – das betrachteten wir als Aufgabe, die wir, trotz wiederkehrender Rückschläge, gern übernahmen.

Es folgte eine Zeit, in der wir uns sehr intensiv mit der Situation der rumänischen Straßenhunde beschäftigten. Je mehr wir darüber lernten, desto nachvollziehbarer waren manche Verhaltensweisen von Bobby. Es wurde also vieles klarer.

Schlusswort

Wenn du dein Leben mit einem schwierigen Hund teilst, sind drei Dinge besonders wichtig: Ruhe, Geduld und Durchhaltevermögen. Bei Hunden mit ähnlicher Vorgeschichte, wie Bobby sie hat, geht nichts von jetzt auf gleich. Doch die Freude ist jedes Mal groß, wenn der Vierbeiner kleine Fortschritte macht.

Im Vierten Teil der Geschichte erfährst du, wie wir mit Bobby gearbeitet haben und wie er sich entwickelt hat.

Hast auch du einen Hund aus dem Tierschutz? Wie verlief die Eingewöhnung? Hat sich dein Hund schnell eingelebt und gab es auch Rückschläge? Schreibe mir gern einen Kommentar.

Nachfolgend kannst du einen Kommentar hinterlassen 1 Kommentare