Me and Bobby – Unsere Geschichte Teil 4

Im Herbst 2017 habe ich beschlossen, die Geschichte von mir und meinem Hund Bobby aufzuschreiben und eine mehrteilige Blogartikelreihe daraus zu machen.

Wenn du noch einmal nachlesen möchtest, was bisher geschehen ist oder du etwas verpasst hast, findest du hier eine Übersicht über alle Texte dazu.

Liebe und Geduld

Im letzten Teil unserer Geschichte habe ich über die ersten Wochen mit Bobby, seine Eingewöhnung und die Dinge, an denen wir arbeiten mussten berichtet. Doch wie geht man die Sache nun an, wenn ein Hund verängstigt und misstrauisch ist? Wenn er die Menschen in seiner Umgebung am Liebsten auf Abstand haben möchte?

Man muss sich dessen bewusst sein, dass man bei einem Hund wie Bobby keine Wunder erwarten darf. Das wichtigste ist, die Ruhe zu bewahren und das Ganze strukturiert anzugehen. Alles gleichzeitig funktioniert nicht und schon gar nicht schnell schnell.
Die erste Aufgabe für uns bestand darin, das gegenseitige Vertrauen aufzubauen. Immer wieder versuchen, Kontakt mit dem Hund aufzunehmen, dabei jedoch die Bedürfnisse des Hundes respektieren und sich auch mal zurücknehmen, wenn es dem Hund zu viel wird.

Ein Aspekt, der beim Vertrauensaufbau eine wichtige Rolle spielt, ist die Stimme des Hundehalters und die Art, wie man mit seinem Hund spricht. Freundlich sollte die Stimme stets klingen, sie sollte Ruhe ausstrahlen und nicht zu laut sein. Schon mit der Ansprache kann man beim Hund ein gewisses Vertrauen wecken.

Klasse Bobby!

Das waren wohl die von mir am häufigsten ausgesprochen Worte im Jahr 2015. Denn bevor wir überhaupt mit „richtigem“ Training starten konnten, war es uns wichtig, dem Hund wieder ein gutes Lebensgefühl zu verschaffen. Er sollte seine Angst und sein Misstrauen verlieren. Dazu gehörte viel Lob. Bei einem Menschen würde man das mit gutem Zureden oder Mut machen vergleichen.
Bobby wurde also für jeden Schritt, der in die richtige Richtung führte gelobt. Mochte dieser Schritt auch noch so klein sein. Wir bestärkten ihn darin, wenn er Kontakt zu uns suchte, wenn er auf seinen Namen reagierte oder einen Fuß auf die Treppe in unserem Haus oder auf den Fliesenboden in der Küche setzte. Dinge, die normalerweise keiner großartigen Erwähnung bedürfen, für einen ängstlichen Hund aber eine große Leistung bedeuten.

Als ehemaliger Straßenhund war Bobby es gewohnt, alles selbst zu entscheiden und war deshalb sehr eigenständig. Hier vermittelten wir ihm, dass Herrchen und Frauchen von nun an für ihn die Dinge regelten. Er wurde dafür belohnt, wenn er an lockerer Leine neben uns lief oder er ruhig blieb, wenn uns ein anderer Hund begegnete oder Jogger und Radfahrer unseren Weg kreuzten.

Nach etwa vier bis sechs Wochen zeigte Bobby bereits eine zum positiven hin veränderte Körpersprache. Ich begann mit kleinen Trainingseinheiten. Die Grundlagen wie Sitz, Platz und auch den Rückruf lernte er schnell. Er entwickelte Spaß an den Übungseinheiten, denn es gab ja auch reichlich Belohnungshäppchen. Für einen gefräßigen Hund wie Bobby natürlich mehr als Willkommen.

Einfach Spaß haben

Das Leben ist schön. Das sollte unser Hund verstehen. So alberten wir oft mit ihm herum. Ich sagte in einem lustigen Tonfall zu ihm „Hey Bobby, was ist denn da schon wieder los?“ Woraufhin er erwartungsvoll zu mir kam, mich mit der Nase stupste und sich streicheln lies. Draußen taten wir all das, was wir schon mit Rica immer taten. Gemeinsam rennen, Suchspiele, Auf Findlinge springen, auf Baustämmen balancieren usw. Anfangs waren Bobby diese Aktivitäten nicht geheuer. Mit der Zeit entwickelte er jedoch richtig Freude daran.

Clickertraining bei Verhaltensproblemen

Kritiker des Clickertrainings behaupten gern mal, dass man damit ja allenfalls Tricks einüben könne, dass es aber nicht möglich ist, Verhaltensprobleme mit dem Clicker zu beheben. Das Gegenteil ist der Fall, wie ich selbst bei Bobby erfahren durfte.
Die Konditionierung des Clickers war jedoch die erste Schwierigkeit, denn Bobby erschrak anfangs vor dem noch unbedeutenden aber für ihn zu lauten Geräusch. Von nun an clickte ich in der Hosentasche und konditionierte ein Markerwort, welches die gleiche Bedeutung wie der Clicker haben sollte. Bobby lernte bald, das der Cicker ihm gutes bringt und verlor schließlich seine Angst.

Anfang des Jahres 2016 lernte ich die Methode des Shapings kennen und anwenden. Hier konnte man bei Bobby regelrecht zuschauen, wie er aufblühte. Dass der Clicker ihm gutes bringt, wusste er ja bereits, dass er dieses Geräusch aber selbst herbeiführen konnte, war nochmals eine neue Erfahrung für ihn, die ihm einen enormen Schub brachte. Unser Hund gewann an Selbstvertrauen.

Warum ist Clickertraining nun bei Verhaltensproblemen so effektiv? – Weil das Geräusch positive Emotionen auslöst, die man mit Vorfreude vergleichen kann. Ein Hund, der sich gut fühlt lernt auch viel leichter als ein gestresster oder verängstigter Hund.

Berührungsangst

Das Thema Berührungsangst wird bei uns wohl noch für den Rest von Bbbbys Leben präsent sein. Von uns lässt Bobby sich streicheln und liebt es mittlerweile zu kuscheln. Fremde dürfen nach wie vor nicht an ihn ran! Erst neulich rastete er aus, als ich nur ein paar Sekunden unaufmerksam war und ein Nachbar versuchte, ihn zu streicheln. Mein Mann und ich können jedoch damit umgehen. Im Gegenteil: Wir finden, dass ein Hund sich nicht von jedem anfassen lassen muss. Wir knutschen ja auch nicht mit jedem Wildfremden, der uns auf der Straße begegnet.
Was allerdings nach wie vor problematisch ist, sind Tierarztbesuche. Die erfordern immer meine volle Aufmerksamkeit und ohne Maulkorb geht gar nichts.

Wie ging es weiter?

Wir haben Bobby mit viel Liebe und Geduld soweit hingekriegt, dass er vor alltäglichen Dingen keine Angst mehr hat und wir ihn auch in die Stadt, ins Restaurant oder dorthin mitnehmen können, wo größere Menschenmengen sind. Ich bin mit seiner Entwicklung mehr als zufrieden.

Doch was macht es mit dem Menschen, wenn der eigene Hund vor einem weg läuft, einen anknurrt oder sogar nach einem schnappt? Darüber möchte ich im nächsten Teil unserer Geschichte sprechen.

Schlusswort

Durch Bobby habe ich so viel über Hunde gelernt. Ich habe außerdem erfahren, dass sich die Mühe, die ich in den Beziehungsaufbau und das Training mit diesen Hund gesteckt habe, doppelt und dreifach bezahlt gemacht hat. Doch all das ist auch ein langwieriger Prozess. Bedenke das bitte, wenn du dich für einen (ängstlichen) Hund aus dem Tierschutz entscheidest.

Hast du auch einen Hund aus dem Tierschutz, der anfangs sehr ängstlich war? Wie lange hat es gedauert, bis du den Hund „alltagstauglich“ hattest und wie habt ihr trainiert? Verrate es mir gern in einem Kommentar.

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